Von Rolf Birkholz
Licht und Linie – neue Arbeiten von Julia Siegmund sind bei Siedenhans & Simon zu sehen
Gütersloh. Linie, viel Linie, „nur“ Linie und doch Körperlichkeit. Licht, Helle und zugleich der Blick in sich, ins Innere, Versenkung gar. Dieses Miteinander zeichnet die zeichnerische und malerische Elemente verbindenden Arbeiten von Julias Siegmund aus. Neue Werke der in Nordhorn lebenden Künstlerin sind jetzt in der Galerie Siedenhans & Simon, Kökerstraße 13, zu sehen. „Die Götter sind barfuß“ lautet der Titel.
Julia Siegmund hat ihn von ihrem Vater. Von ihm, dem Lehrer für Latein und Griechisch, wusste sie, dass auf alten Abbildungen die Götter stets barfuß auftreten. Barfüßig sind auch Siegmunds Figuren, mitunter werden Füße bei ihr zu Hauptmotiven, quasi selbstständig. Barfüßigkeit bedeutet für auch Kontakt zum Boden, Verbundenheit mit der Natur.
Götter müssen ihre Gestalten dann noch nicht gleich sein. Aber vielleicht kommen sie welchen nahe? Jedenfalls wirken sie so weltlich wie doch nicht ganz der Welt ergeben. Sie sitzen, liegen, stehen, kehren halb den Rücken zu. Sie blicken beiseite, vor sich, in sich.
„Die Linie interessiert mich ja sehr“, sagt Julia Siegmund. Ihre souveräne Linienführung verleiht den Menschen auf ihren in verschiedenen Techniken (Grafik, Malerei, Collage, Frottage) geschaffenen Bildern auf Papier, Leinwand oder Holz gleichzeitig Körperlichkeit und eine Neugier weckende Leichtigkeit. Vögel tauchen auf als Symbol für Freiheit.
„Julia Siegmunds Werke sind zarte, zeichnerische Andeutungen, wie Erinnerungen oder Notizen“, so Jana Duda, die zur Eröffnung der Ausstellung sprach. „Schrift und Bild werden miteinander verwoben wie ein Traumtagebuch oder ein Gespräch mit einem unsichtbaren Gegenüber.“ Eine Serie in kleineren Quadraten ist durch die Lyrik von H.C. Artmann inspiriert: „Ich bitte dich, zeichne einen Leuchtturm an die Wand deines Hauses.“ Julia Siegmund war schon zum Start der Galerie in der Nachfolge von Horst Grabenheinrich 2010 sowie 2014 und 2019 dort zu Gast. Sie hat für ihre Arbeiten einige Auszeichnungen und Stipendien erhalten und ist auch in der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages vertreten. Kürzlich hat sie für eine Kirche in Nordhorn einen Kreuzweg geschaffen.
„Scheinwerfer aus“ heißt eine an die Wand im Eingangsbereich geklebte Frauenfigur, die sich entsprechend den Arm vor die Augen hält. Sie korrespondiert, durchaus auch ein bisschen augenzwinkernd, mit den dann folgenden Figuren auf den Bildern. Für den Besucher aber gilt natürlich unbedingt: Licht an, Augen auf.
Rolf Birkholz, Neue Westfälische, Gütersloh 2025
